"Du musst nur langsam genug gehen,
um immer in der Sonne zu bleiben."
(Antoine de Saint-Exupéry)
Eine Seite über Attachment Parenting und respektvolle Erziehung

Aller Anfang ist schwer

Hartnäckig hält sich das standardisierte Verfahren zur Beikosteinführung des FKEs, das a) jede noch so engagierte Breikocherin irgendwann zum Wahnsinn oder zur Konservenkost treibt, weil gemuster Kürbis an püriertem Huhn mit Matschkartoffel und Hirsebrei auf gekochtem Apfel und Reisbrei mit abgepumpter Muttermilch sich nicht von selbst machen und b) Stillmamis soooo dicke Dinger beschert, weil das Verfahren auf Ersetzen einer Milchmahlzeit und nicht auf Ergänzung basiert. Ihr solltet wissen, dass die WHO für stillende Mütter eine geeignetere Form der Beikosteinführung empfiehlt: Gebt eurem Kind einfach zu den gemeinsamen Mahlzeiten kleine Mengen an Essen. Die folgenden Regeln können dabei helfen:

  • Gebt eurem Baby erst zu essen, wenn es Beikostreife zeigt (meist nach dem 6. Monat!)
  • Stillt euer Kind weiter zu jeder Mahlzeit (laut WHO bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres und wenn beide möchten, darüber hinaus. Gebt "das Neue" als Nachtisch. Es ist nur BEIkost.
  • Führt pro Woche nur ein erlaubtes Lebensmittel ein. Probiert neues Essen nicht vor dem Insbettgehen aus!
  • Es geht übrigens auch ohne füttern! Sehr gerne essen Babys schon selbst - gebt also so oft wie möglich Fingerfood, wie gekochte Kartoffeln, Obststückcken, Reiswaffeln zum Durchsabbern, Fleischstückchen zum Lutschen ...

    Gandhi und die Süßigkeiten und ihr

    Eine Mutter kommt mit ihrem Kind zu Gandhi und sagt: „Bitte – sag meinem Sohn, er soll keine Süßigkeiten mehr essen. Es tut ihm nicht gut. Und auf dich hört er.“ Gandhi antwortet: „Kommt in einer Woche wieder.“ Nach sieben Tagen ist sie mit ihrem Sohn zurück, und Gandhi sagt zu dem Kind: „Verzichte auf die Süßigkeiten. Es wird dir gut tun.“ Die Mutter ruft entgeistert: „Aber Gandhi, warum hast du ihm das nicht vor einer Woche gesagt?“ Gandhi: „Vor einer Woche habe ich selbst noch Süßigkeiten gegessen.“

    Findet ihr, dass Süßigkeiten schaden? Dann esst sie nicht, habt gar keine im Haus, dann wird euer Kind daran kaum einen Gedanken verschwenden. Viele Menschen, die etwas von Erziehung verstehen, sind der Ansicht, dass freigegebene Süßigkeiten schnell ihren Reiz verlieren und unbeachtet bleiben. Leider spielt da unsere Vergangenheit mal wieder nicht mit: In der Steppe sind schnellwirkende Kohlenhydrate und ordentliche Fette etwas ganz Großartiges, leider sehr Seltenes und damit so wertvoll, dass man nicht Kalorien auf die Gedankenleistung verschwenden konnte, ob man sie nun essen möchte oder ob sie der Figur eher schaden, sondern dass man sie gierig in sich hineinstopfte. Darum kann man nie nur ein Stück Schokolade essen.

    Wenn euer Kind lieber Gemüse "naschen" soll, dann stellt auch eine Rohkostplatte griffbereit auf den Tisch (da, wo sonst immer die Chips liegen). Vergesst nicht, euch selbst davon zu bedienen.

    Wenn der kleine Hunger kommt

    Die meisten Kinder essen lieber zwischendurch etwas und haben dann bei den gemeinsamen Mahlzeiten weder Lust noch Appetit, um mit dem Rudel zu speisen. (Die meisten Erwachsenen naschen übrigens auch gerne zwischendurch etwas).

    Woran liegt das? Zum Einen haben kleine Kinder eine prima Verbrennung und brauchen öfter Nachschub. Zum anderen sind eure gemeinsamen Mahlzeiten für das Kind stinklangweilig: Kinder sind soziale Wesen, die sich nach Gemeinschaft sehnen und nicht nur kleine Menschen, die Kraftstoff tanken müssen. Ihr werdet nicht drumherumkommen, eure von euch so geschätzten gemeinsamen Mahlzeiten freundlicher zu gestalten - ihr müsst mit spannendem Spielzeug konkurrieren!


    Familientisch

  • Bezieht das Kind in Essensplanung mit ein. Erstellt zusammen einen Essensplan für die ganze Woche, den ihr auch mit ausgeschnittenen Bildchen aus Zeitschriften illustrieren könnt.
  • Gibt es kinderfreundliches Essen? Viele Kinder mögen nix Scharfes!
  • Kocht gemeinsam! Lasst das Kind auf der Arbeitsplatte sitzen und mitmachen. Gemüse waschen, in Töpfen "rühren", anfassen, kneten, etwas salzen, Pfeffermühle drehen, Gewürze schnuppern. Selbstgekochtes Essen schmeckt am besten.
  • Checkt eure Unterhaltungen bei Tisch auf Kinderfreundlichkeit. Warum sollte euer Kind die Ergebnisse der Kommunalwahl oder die Preisspanne eines neuen Staubsaugers interessieren?
  • Versaut doch nicht sie ganze Stimmung mit irgendwelchen halbherzigen Erziehungsversuchen! Kinder erfahren ihre Umwelt nun mal gerne mit vollem Körpereinsatz. Wen die Sauerei stört, der lege ein Badelaken unter den Kinderstuhl.
  • Zwingt das Kind nie zum Essen, nicht mal zum Probieren. Auch Aufessspielchen (Ein Löffel für Papa!) fallen unter die Kategorie Zwang.
  • Bitte keine "KinderinIndien"-Sprüche. Wenn es euch schmerzt, eine halbe Scheibe Toast wegzutun, weil euer Kind Löcher mit dem Zeigefinger reingebohrt hat, dann spendet lieber eine Summe an eine Wohltätigkeitsorganisation. Es wird kein Kind mehr verhungern, weil euer Kind bisweilen mit Essen spielt.

  • Links:
    www.stillen.orgEUNUTNET, WHO-Empfehlungen zur Säuglingsernährung für die EU (auf der Seite des VELB)
    www.kellymom.deEine sehr gute Seite zum Thema Beikosteinführung
    IBFANEngagierte Seite der IBFAN (Netzwerk für Säuglingsernährung) mit einigen traurigen Wahrheiten
    www.naturkost.demit vielen wertvolen Adressen zum Thema Naturkost
    Rezeptesammlung VollwertEine lieblose, aber gute und umfangreiche Rezeptesammlung zur Vollwertkost
    Ernährungsplan von HIPPohne Worte